Das Nachtleben der Götter

New York in den 1930ern:

Der Erfinder Hunter Hawk (Konrad Bösherz) macht eine bahnbrechende Entdeckung. Er kann Lebewesen in Stein und steinerne Statuen in Lebewesen verwandeln.
Nach Versteinerung seiner gierigen Verwandtschaft begibt er sich in Begleitung der 800 Jahre alten Meg, ihrerseits Nachfahrin einer griechischen Rachegöttin, ins Metropolitan Museum und erweckt dort etliche Götterstatuen zum Leben.
Und in der Folge sorgen Bacchus, Diana, Neptun und Co für allerlei Unruhe im Big Apple.

Diese Hörspielfassung eines Romans von Thorne Smith stammt von Balthasar von Weymarn und Jochim-C. Redeker, den Hörspielmachern hinter der grandiosen Serie „Mark Brandis“.

Untermalt von entspannter Jazzmusik lernen wir erst mal die Familie des verrückten Erfinders kennen, die sich allem Anschein nach in dessen Haus eingenistet hat.
Die Rollen sind durchweg prominent besetzt, etwa mit Tobias Kluckert, Melanie Pukaß und Daniel Claus.
Als Erzähler und Chronist agiert der Butler von Hunter, gesprochen von Detlef Bierstedt.

Warum auf einmal die 800 Jahre alte Meg(aera) im Garten des Erfinders auftaucht, bleibt zwar unklar, in jedem Fall bringt aber die Schauspielerin Derya Flechtner jede Menge Energie und Witz in die Geschichte.
Überhaupt ist das Hörspiel von einem konstanten, wenn auch oft eher hintergründigen Humorlevel durchzogen.

Um es mit Loriot zu sagen: „Man muss schon sehr genau hinhören.“

Aber es geht auch offensichtlicher, etwa wenn Gott Bacchus (Oliver Stritzel) in einem New Yorker Hotel Whisky zu brauen versucht, oder wenn der Richter während der finalen Gerichtsverhandlung an der Absurdität des ihm vorliegenden Falls verzweifelt.

Die abschließende Erkenntnis Hunters, dass es in der modernen Welt sowohl für Wissenschaftler wie ihn als auch für römische Gottheiten keinen Platz mehr gibt, ließ mich als über knapp zwei Stunden gut unterhaltenen Hörer mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.

Ein fein gemachtes Hörspiel einer ungewöhnlich fantastischen Geschichte, deren Verfilmung man ohne Zögern in die Hände von Woody Allen legen könnte.

Mein Dank und mein Respekt gehen an das Label Folgenreich, das wieder einmal den Mut beweist, ein außergewöhnliches Hörspielprojekt einem großen Publikum zugänglich zu machen.

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