Leb wohl, Berlin

Diese Hörspieladaption von Christopher Isherwoods gleichnamigem Roman spielt im Berlin der letzten Tage der Weimarer Republik.
Einen jungen Autoren verschlägt es von England nach Berlin. Dort kommt er mit den unterschiedlichsten Bewohnern und Figuren in Kontakt. Allen voran macht er Bekanntschaft mit der „göttlich dekadenten“ Sängerin Sally Bowles, die viele Verehrer hat und auf eine große Rolle beim Film hofft.
Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt seine gutherzige Vermieterin Fräulein Schröder, in deren Wohnung sich immer mehr illustre Untermieter einfinden.
Und dann ist da noch die reiche jüdische Erbin Natalia Landauer und ihr Cousin Bernhard, mit denen Isherwood eine tiefe Freundschaft verbindet.

Es ist ein wirklich beeindruckendes akustisches Panorama, das Regisseur Leonhard Koppelmann dem Hörer hier vor Ohren führt. In den Straßen der Großstadt tobt das Leben, in den Etablissements und Clubs wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen.
Aber es gibt auch Unruhen und Chaos, Arbeitslosigkeit und Not wachsen, und die Nationalsozialisten greifen immer brutaler nach der Macht.

Illustriert wird das Berliner Babylon durch einen der schönsten Hörspielsoundtracks der letzten Jahre, eigens für das Hörspiel eingespielt von der HR-Bigband, welcher das Hörspiel kontinuierlich in Schwung bringt und dankenswerterweise auf einer Extra-CD dem Hörspiel beiliegt.
Zudem verwenden die Macher immer wieder Originaltöne. So sind etwa Max Schmeling, Marlene Dietrich in „Der blaue Engel“ sowie Hassreden von Joseph Goebbels zu hören.

Und dann die hervorragende Besetzung!
Die von mir bereits mehrfach abgefeierte Laura Maire spielt Sally Bowles mit einer hinreißend ambivalenten Mischung aus Kleinmädchencharme und Femme Fatale.
Christopher Nell als Isherwood wirkt manchmal angenehm verpeilt im Angesicht des brodelnden Schmelztiegels Berlin und taugt in seiner an Liebe grenzenden Freundschaft zu Sally optimal als Identifikationsfigur, denn beinahe jeder Hörer wird sich wohl auch an den einen Menschen erinnern, den man mal zum Freund hatte, aber eigentlich über alle Maßen geliebt hat.

Besonders bewegt hat mich zudem der hörspielerfahrene Matthias Bundschuh als Bernhard Landauer, den ebenfalls eine fast liebevolle Beziehung mit Isherwood verbindet. Sein warmes, zartes Spiel, verbunden mit dem Nicht-Wahrhaben-Wollen des drohenden Unheils durch die Nazis, haben mich am Ende des Hörspiels tief berührt zurückgelassen.

„Leb wohl, Berlin“ ist einmal mehr ein ganz großer Wurf von Regisseur Leonhard Koppelmann.
Ein Hörspiel wie ein Fass kurz vor dem Überlaufen.

Weitere Infos gibt es hier!

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