1984

Winston Smith arbeitet im fiktiven London des Jahres 1984 im Ministerium für Wahrheit, wo Schriften der Vergangenheit umgeschrieben und an die Gegenwart angepasst werden. Stets beobachtet vom Großen Bruder herrscht in der von George Orwell erdachten Welt ein totalitäres System.
Winston hat Zweifel und findet in der attraktiven Julia, mit der er eine Affäre beginnt, eine Verbündete. Gemeinsam träumen sie von einem besseren Leben, aber ihr Glück ist nur von kurzer Dauer.

Seinerzeit, als ich 16 war und der Roman als Schullektüre anstand, war ich viel mehr an Rockmusik, Horrorfilmen und Masturbation interessiert.

Und auch später erwies sich das Buch immer noch als ziemlich schwer verdaulicher Brocken. Ich habe den Stoff erst durch die Verfilmung von Michael Radford zu schätzen gelernt, großartig besetzt mit John Hurt und Richard Burton.

Klaus Buhlert, Spezialist für opulente Hörspieladaptionen, hat nun eine neue Hörspielfassung des Romans inszeniert.
Und die ist nicht weniger fein besetzt, was man gleich zu Beginn an Felix Goeser hören kann, der hier den Protagonisten Winston Smith spielt und den Hörer mit in seine monotone, angstgeschwängerte und trostlose Alltagswelt nimmt, in der schon ein Gedanke gefährlich werden kann.

Sehr beeindruckt war ich auch von Erzähler Frank Pätzold und seinem warmen, leicht schnarrenden Erzählton, der, obgleich nüchtern, ebenso die Lebenswelt und Ästhetik eines Überwachungsstaats eindringlich zu schildern vermag.

Klaus Buhlert sorgt neben der Regie mit seiner Gruppe ANOTHER PLUS BAND auch für die Musik, einen eigentümlichen Mix aus (Kraut-)Rock, Improvisationen und Anklängen an Bands wie The Notwist oder Radiohead.

Das, und ebenso Buhlerts immer wieder eingestreute Gesangspassagen und Traumsequenzen, muss man mögen. Ich jedenfalls erkenne in manchen Musikstücken durchaus Ohrwurmqualitäten, in mancher Traumsequenz und eingestreutem Tonbandaufnahmeschnipsel dafür aber auch die klare Erinnerung an den Hörer, dass man es hier mit Hörkunst zu tun hat.

Oder um es mit Loriot zu sagen: „Das geht natürlich nicht so glatt ins Ohr wie Peter Alexander.“

Spätestens wenn es für Winston und Julia dann aber ins Ministerium für Liebe geht, wo sie von Parteimann und Folterer O´Brien vernommen werden, vermag keinerlei Kunstgriff die unglaublich beklemmende Leistung des Schauspielers Jens Harzer zu mindern und man ist im letzten Drittel des Hörspiels ganz Ohr angesichts der grausamen Mechanismen eines totalitären Systems, derer sich ja auch in unserer modernen Welt wieder mehr und mehr Staaten bedienen.

Keine leichte Hörkost, allerdings ein fabelhaft gespieltes Hörspiel, das die Vorlage überzeugend in das akustische Medium überträgt.

Weitere Infos gibt es hier!

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