Wurst und Wahn – Ein Geständnis

jakob hein wurst und wahn ein gestaendnisIrgendwann in nicht all zu ferner Zukunft: Fleischesser haben es nicht leicht, überall und von jederman werden sie gemobbt und gemieden. So ergeht es auch dem Protagonisten, der bei einer Weihnachtsfeier seines Arbeitgebers den Unwillen seiner Kollegen auf sich zieht, als er sich Gänsekeule zum Abendessen bestellt.

So fasst er den Entschluss, mit Beginn des neuen Jahres ebenfalls Vegetarier zu werden. Allerdings hat er nicht mit den weitreichenden Folgen seines fleischlosen Lebenstils gerechnet. Als Psyche, Sozialverhalten und Libido immer mehr unter seinem Vegetariertum leiden, naht Rettung in Gestalt des Geheimbunds der Kornovaren. Fanatische Fleischesser, die „irrgeleitete“ Vegetarier wieder zurück auf den Pfad der (fleischhaltigen) Tugend führen wollen …

Autor Jakob Hein, Arzt und selbst Vegetarier, verstand es bereits in früheren Romanen, etwa Herr Jensen steigt aus, den Moment einzufangen, in dem seine Figuren langsam an sich und/oder ihrer Umwelt verzweifeln und sich folglich Schritt für Schritt aus der Zivilisation verabschieden.

Und auch dem Hörer von Wurst und Wahn wird schnell klar, dass der Weg des Protagonisten kein gutes Ende nehmen wird, schließlich handelt es sich ja um ein Geständnis.

Größtenteils wird es sehr amüsant, denn sowohl militante Vegetarier als auch fanatische Fleischfresser bekommen ordentlich ihr (Pflanzen-)Fett weg. Da gibt es reichlich Platz für Situationskomik, die Vorleser Stefan Kaminski auch meisterlich zu vermitteln versteht.

Leider kann er in dieser Geschichte nicht seine erstaunlichen stimmlichen Fähigkeiten ausspielen, denn sie bietet aufgrund des Monologs der Hauptfigur nicht in dem Maße Möglichkeiten für ein Ein-Mann-Hörspiel, wie man es aus früheren Produktionen mit Stefan Kaminski, oft aus dem Bereich Fantasy, kennt.

Dennoch ist das Hörbuch sehr unterhaltsam, aufgrund der Länge von nicht einmal zwei Stunden auch mal angenehm zwischendurch zu hören. Und bei aller Satire stand für mich am Ende die Erkenntnis: Der Grat zwischen Wurst und Wahn kann manchmal ziemlich schmal sein.

Hier gibt es eine Hörprobe und weitere Infos!

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