Stoner

William Stoner wird 1891 als Sohn armer Farmer in Missouri geboren. Während seines Studiums entdeckt er seine Liebe zur Literatur und ändert ohne Wissen seiner Eltern sein Studienfach. Schließlich wird er Dozent an der Universität und stürzt sich Hals über Kopf in eine (unglückliche) Ehe. Und seine Ehe bleibt nicht die einzige Unwegsamkeit während Stoners beharrlichem Weg durchs Leben.

Gleich zu Beginn des Romans wird klar, dass William Stoner nicht durch außergewönliche Lebensleistungen in Erscheinung getreten ist. Er ist eher ein Jedermann, der trotz aller Stolpersteine sein Leben genügsam meistert, wenn er sich am Ende auch fragen muss, ob denn dieses Leben schließlich zu irgend etwas gut war.

Es gibt auch Momente puren Glücks in Stoners Leben, etwa seine anfangs liebevolle Beziehung zu seiner Tochter sowie eine leidenschaftliche Affäre mit einer Dozentin, in die er sich aus seiner zunehmend quälenden Ehe flüchtet.

Das alles ist in der Tat nicht wirklich außergewöhnlich, dennoch wächst einem der unermüdliche Stoner mit der Zeit immer mehr ans Herz. Sicherlich auch dank des exzellenten Vortrags von Burghart Klaußner (Das weiße Band), der jeder Figur durch feine Nuancierung sowie sein zurückhaltendes, und doch ausdrucksstarkes Spiel einen eigenen Charakter verleiht.

Und man leidet mit William, der sich immer wieder in sein Schicksal ergibt, anstatt aus seinem gut bürgerlichen Gefängnis auszubrechen.
Auch an der Universität bekommt er immer mehr Stolpersteine in den Weg gelegt, denn sein Versuch, einen unliebsamen Studenten loszuwerden, stößt einem seiner Mitdozenten ziemlich sauer auf.
Das sind dann auch die einzigen Passagen des Buchs, die sich etwas zu sehr in die Länge ziehen, außerdem wird nicht wirklich nachvollziehbar, warum gerade das Schicksal eines offenkundig hochstaplerischen Studenten zum Bruch einer Männerfreundschaft führt.

Insgesamt ist Stoner aber Freunden großer Erzählungen sehr zu empfehlen. Ein Campus-Roman der etwas anderen Art, zutiefst menschlich und berührend, und eine lohnende Wiederentdeckung des fast vergessenen Autors John Williams (1922 – 1994).

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