Sherlock Holmes – Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs (06) – Spurlos verschwunden

sherlock holmes die geheimen fälle des meisterdetektivs spurlos verschwundenIm London des späten 19. Jahrhunderts blüht das Geschäft von Engelmacherinnen und vordergründig wohltätigen Menschen, die unehelich geborene Kinder gegen Bezahlung in Pflege nehmen. Als immer wieder solche Kinder spurlos verschwinden, machen sich Holmes und Watson an die Ermittlungen, bei denen sie unter anderem auf die tatkräftige Mithilfe ihrer Haushälterin zählen können.

Mit über 78 Minuten Spielzeit ist diese Hörspiel wieder sehr ausführlich geraten. Zu Beginn spielen sich die Ereignisse weitgehend in der berühmten Wohnung der beiden Detektive ab. Auch wenn die Geschichte auf soziale Missstände und das schwere Schicksal unverheirateter Mütter aufmerksam macht, und auch wenn die beteiligten Sprecher in ihren Rollen sehr überzeugen, etwa Philine-Peters Arnolds mit einem erneuten Auftritt als herrlich aufgekratzte Nervensäge Margery Mapleton, hätte eine etwas straffere Inszenierung, soll heißen 10 bis 15 Minuten weniger Spielzeit, dem Hörspiel sicher nicht geschadet.

Als sich Holmes und Watson dann schließlich an die Ermittlungen machen, wird es dafür allerdings um so dramatischer und düsterer. Der Weg führt in die schäbige Behausung dreier „Pflegerinnen“, die ebenfalls sehr überzeugend von Reinhilt Schneider, Sonja Deutsch und Jessy Rameik gespielt werden.

Das Ende der Geschichte erinnert entfernt an Anthony Horowitz´ gelungenen Sherlock-Holmes-Roman Das Geheimnis des weissen Bandes, der titelgebende Gegenstand taucht auch in dem Hörspiel auf, wenn auch in einem anderen Zusammenhang.

Insgesamt ist das Hörspiel wieder sehr gut gelungen, technisch kann man Titania Medien wie eh und je keine Vorwürfe machen. Für die Zukunft würde ich mir persönlich allerdings wünschen, dass dem guten Doktor in einem der nächsten Fälle eine etwas gewichtigere Rolle zukommt, ist er doch neben seiner Erzählerrolle in diesem Hörspiel oft lediglich damit beschäftigt, seine Empörung über diesen und jenen Missstand durch tiefe Seufzer und andere kurze Unmutsäußerungen kundzutun. Deshalb meine Bitte an Autor Marc Gruppe, seine dichterischen Freiheiten ruhig auch mal zugunsten von Dr. Watson einzusetzen. Bei der immer wieder in entscheidenden Szenen auftretenden Haushälterin Mrs. Hudson, von der in den Originalgeschichten ja nie viel die Rede war, ist ihm das bereits auf gute (und amüsante) Weise gelungen.

Eine Hörprobe gibt es hier!

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