Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr

Prinzessin Dylia leidet an Schlaflosigkeit. Niemand in ganz Zamonien kann ihre Krankheit heilen. Und so verbringt sie viele, viele Nächte ruhelos in ihrem Schloss. Allerdings langweilt sie sich nicht, sondern vertreibt sich die Zeit mit allerlei kreativen Beschäftigungen. Sie betrachtet etwa den Mond, und gibt jedem einzelnen Mondkrater einen eigenen Namen. Außerdem übt sie sich in im rüdikilisierenden Anagrammieren oder sieht den wunderlichen Zwielichtzwergen bei der Arbeit zu.

Doch eines Abends ändert sich alles:
Da sitzt nämlich der alptraumfarbene Nachtmahr Havarius Opal auf Dylias Bett und nimmt sie mit auf eine unglaubliche Reise.

Ein ums andere Mal bleibt einem beim Hören der Mund offen stehen, angesichts des unglaublichen Ideenreichtums von Autor Walter Moers.

Der öffentlichkeitsscheue Schriftsteller und Zeichner entführt uns in seinem aktuellen Buch in einen neuen Bereich seines sagenhaften Reichs Zamonien, und präsentiert uns mit Dylia eine verspielte, faszinierende und tiefsinnige Heldin, die sich durch nichts und niemand unterkriegen lässt und zusammen mit Opal eine Reise in ihr eigenes Gehirn unternimmt.

Das Bewusstsein, das Moers entwirft, ist allerdings keine bonbonbunte Achterbahn, wie etwa in dem genialen Trickfilm „Alles steht Kopf“.
In Dylias Gedankenwelt gilt das Prinzip „Fressen und gefressen werden“.
So lernen wir etwa die Zergesser kennen, die sich von aufkeimenden Gedanken ernähren und um so rücksichtsloser wüten, je weniger der Betreffende sein Gehirn anstrengt.

Aber es ist auch eine Welt, in der Gedanken wie Perlen reifen und über deren größte Schätze eine jadegrüne Erinnerungsspinne wacht.

Mit Andreas Fröhlich hat man schließlich auch den perfekten Interpreten für Prinzessin Insomnias Abenteuer gefunden. Er erzählt abwechslungsreich und mit feiner Stimmakrobatik, verfällt dabei jedoch nie ins Chargieren.
Dank seines Vortrags kommt auch nie der Humor zu kurz, und manchem Gedankengang der kleinen Prinzessin lauscht man auch gern ein zweites Mal, damit er im Hörerhirn arbeiten kann und nicht gleich wieder zergessen wird.

Ein letztes großes Lob geht an die Gestaltung der CD. Im Pappschuber befindet sich nämlich neben dem Tonträger noch ein wunderschön gestaltetes Booklet mit Zeichnungen, kurzen Auszügen aus der Buchvorlage sowie wissenswerten Informationen über Figuren aus Zamonien.

Eine unerschöpfliche Wundertüte voller genialer und irrwitziger Ideen. Eine erhellende und Mut machende Reise ins Ich mit einer Heldin, die man nicht mehr von seiner Seite lassen möchte.

Wenn Erbauungsliteratur, dann bitte so!

Weitere Infos gibt es hier!

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