Öffne die Augen

franck thrilliez öffne die augenLucie Henebelle, Polizistin in Lille, erhält eines Tages einen Anruf von einem Bekannten. Der passionierte Filmsammler ist verzweifelt, denn nach der Sichtung einer alten Filmrolle ist er plötzlich erblindet. Ein Filmrestaurator, den Henebelle daraufhin um Hilfe bittet, wird kurz darauf ermordet. Derweil findet der Ermittler Franck Sharko in der Nähe von Paris fünf Leichen, denen die Schädelplatten abgesägt, sowie Gehirn und Augen entfernt wurden. Wie es scheint gibt es Verbindungen zwischen den Fällen, und so ermittlen Henebelle und Sharko gemeinsam. Und ihre Recherchen fördern ungeheuerliches zutage.

Dies ist bereits der dritte Roman um die Ermittlerin Lucie Henebelle, für mich allerdings die erste Begegnung mit dem Autor. Eine große Freude an dem Roman ist, dass er sich trotz einiger grausiger Mordfälle nicht liest (besser: anhört) wie eine der üblichen Hetzjagden auf den nächsten Serienkiller vom Reißbrett. Die Verknüpfung der Mörderjagd einerseits mit dem Rätsel um eine Reihe medizinischer Experimente andererseits, sowie einer spannenden Schnitzeljagd um das Geheimnis einer alten Filmrolle, bietet eine erfrischend andere, größtenteils unterhaltsame und auch spannende Mischung.

Noch dazu bekommt die Kommissarin mit dem Ermittler Sharko einen interessanten Verbündeten zur Seite gestellt. Der ist zwar nicht frei von üblichen Roman-Cop-Klischees, etwa dem obligatorischen schrecklichen Erlebnis aus der eigenen Vergangenheit, bietet aber auch eine etwas andere Eigenheit, er ist nämlich paranoid-schizophren. Das zeigt sich des öfteren in Gesprächen mit einer imaginären Gefährtin und in der Tatsache, dass er zu deren „Besänftigung“ stets kandierte Maronen und Cocktailsauce bei sich führt. Glücklicherweise nimmt der Autor die Erkrankung nicht als Alibi für albernen Humor, sondern schildert sie als ungewöhnlichen Lebensbegleiter Sharkos.

Ein paar Längen kann man durchaus verschmerzen, schließlich führen die Nachforschungen die beiden Ermittler in mehrere Länder, unter anderem sogar nach Ägypten.

Die Auflösung ist ebenfalls erfrischend anders als in anderem Thriller-Einheitsbrei neueren Datums und noch dazu um einiges plausibler als manch ausgelutschte Serienkiller- oder Weltverschwörungsgeschichte.

Ein wirklich guter Thriller. Ungewöhnlich, kurzweilig und spannend.

ABER:

Ein paar Worte noch zu Vorleser Charles Rettinghaus, den ich als Synchronsprecher (Jamie Foxx, Robert Downey Jr.) außerordentlich schätze. Bei diesem Hörbuch scheint er nicht wirklich seinen besten Tag gehabt zu haben. Gerade zu Beginn liest er erschreckend eintönig. Auch mit dem Schauplatz Frankreich scheint man ihm nicht gerade einen Gefallen getan zu haben. Man spürt als Hörer regelrecht die Pausen, wenn er sich mal wieder einem schier unaussprechlichen Orts- oder Personennamen gegenübersieht. Das alles bessert sich im Verlauf des 13 Stunden langen Hörbuchs zwar zunehmend, schmälert aber das Hörvergnügen zeitweise schon ein wenig

Sei´s drum, ich bin mir sicher, Herr Rettinghaus kann das auch besser.

Und noch ein kleiner Nachtrag für alle, die am Ende des Romans frustriert in den iPod beißen werden. Das nächste Lucie-Henebelle-Abenteuer ist unter dem Titel Gataca 2011 in Frankreich erschienen.

The worst is yet to come …

Das ungekürzte Hörbuch ist exklusiv bei Audible als Download erhältlich.

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