Morgenstern (01) – Leben und Sterben

morgenstern leben und sterbenChris Morgenstern, Privatdetektiv in Potsdam, wird eines Tages Zeuge, wie ein offenbar verwirrter Drogendealer sich grausam selbst verstümmelt. Die Droge Crystal Meth ist in der Stadt angekommen. Eine junge Frau sucht Morgensterns Schutz und bietet dafür Informationen über die Hintermänner. Dass das nicht im Sinne der Drogendealer ist, muss Morgenstern bald schmerzhaft feststellen.

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Was hier geboten wird, ist leicht verdauliche Krimiware mit Tendenz zum Groschenroman.
Aber das muss ja nichts schlechtes sein, zumal, wenn es aus der Feder von Raimon Weber (Gabriel Burns, Darkside Park) stammt.
Die Zutaten sind soweit bekannt.
Ex-Cop, geschieden, traumatisiert, Jaguar-Fahrer, Frauentyp. Dazu narbengesichtige Bösewichte („Gewalttätigkeit knisterte um ihn herum wie statische Elektrizität.“) und ein geheimnisvoller „Auftraggeber“, der allerdings erst ganz am Ende der ersten Geschichte auftaucht.
Dazu ist das Potsdam, das Weber hier zeichnet, ein Sündenpfuhl, in dem sogar Crystal Meth gekocht (Uiiiiii!!!!) und Zwangsprostitution (Uiiiuiiiiuiiiii!!!!) betrieben wird.

Interessant sind da schon eher die auftretenden Nebenfiguren, etwa Morgensterns chaotischer Kumpel Knut, sowie sein ehemaliger Kollege Max („Was, verdammt nochmal, geschieht mit unserer Stadt?“), ebenfalls traumatisch angeknackst und etwas undurchsichtig. Da schlummert sicher noch Potenzial für weitere Folgen.

Der Sprecher Olaf Reitz, mir bisher unbekannt, macht einen ordentlichen Job, könnte allerdings stimmlich die einzelnen Figuren etwas abwechslungsreicher gestalten.

Die Idee einer inszenierten Lesung ist grundsätzlich begrüßenswert, wird aber in dramatischen Szenen etwas gewöhnungsbedürftig umgesetzt, wenn etwa während einer Schlägerei zwar ein zweiter Sprecher eingesetzt wird, in deren Verlauf allerdings nichts weiter als (alberne) Knurr- und Grunzlaute von sich geben muss, während die Dialoge weiterhin nur von Olaf Reitz gesprochen werden.

Was also davon halten? Als kleiner Krimi zwischendurch geht die Geschichte durchaus in Ordnung, in den weiteren Folgen muss aber schleunigst mehr vom erhofften Potenzial freigelegt werden.
Warten wir mal ab.

Eine Hörprobe gibt es hier!

P.S.:
Wer Krimiunterhaltung übrigens origineller bzw. intelligenter und noch dazu in Hörspielform haben möchte, der sollte es mal mit den beiden leider kurzlebigen Serien Kommissar Dobranski bzw. Peter Lundt – Blinder Detektiv probieren.

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