Maschinenmann

max barry maschienenmannDer Ingenieur Charlie Neumann verliert durch einen Arbeitsunfall ein Bein. Da er mit den handelsüblichen Prothesen unzufrieden ist, macht er sich selbst an die Entwicklung und das Tuning einer High-Tech-Prothese. Kaum genesen stellt Neumann fest, dass sein künstliches Bein um einiges leistungsfähiger ist als seine „Originalteile“. Warum also nicht auch weitere Körperteile erneuern? Und Neumann setzt seine Selbstversuche fort, allerdings mit ungeahnten Konsequenzen …

Na? Auch heiß auf das neue iPhone? In dem Roman Maschinenmann des ehemaligen Hewlett-Packard-Mitarbeiters und Softwareentwicklers Max Barry gibt es einige Parallelen zum Fortschritts- und Perfektionswahn, den Elektronikkonzerne durch die Präsentation immer spektakulärerer und vermeintlich unverzichtbarer Neuheiten an den Tag legen. Man stelle sich nur einmal vor, nicht der Handymarkt, sondern der menschliche Körper selbst würde zum neuen Marktplatz werden.

Charlie Neumann darf nach den ersten „erfolgreichen“ Selbstversuchen in seiner Firma neben Beinprothesen noch alles mögliche andere entwickeln. Arme, Hände, Organe, alles wird auf seine Austauschbarkeit und Optimierbarkeit hin überprüft. Und nur ausgemachte Gutmenschen dürfte es überraschen, dass der produzierende Konzern noch ganz andere, weit weniger friedliche Ziele verfolgt.

In der Tat ein beängstigendes Szenario, das Max Barry hier entwirft. Zwar nimmt der Optimierungswahn Charlie Neumanns und seiner Mitstreiter im Verlauf der Geschichte immer groteskere Züge an, ein mulmiges Gefühl beim Hören bleibt aber durchweg bestehen. Den Vorleser Erich Räuker, Fernsehzuschauern vielleicht bekannt als deutsche Stimme von Richard Dean Anderson, schätze ich schon seit langem als ausgezeichneten Hörbuchsprecher. Er liest routiniert, nicht zu überdreht, aber stets mit gutem Gespür für die absurden und komischen Momente. Ein bisschen schade fand ich lediglich, dass dem „Maschinenmann“ Charlie im letzten Teil der Geschichte nichts Originelleres einfällt, was er mit seinen Superkräften anstellen könnte, und dass es beim abschließenden „Kampf der Giganten“ mal wieder (nur) um das Herz einer Frau geht.

Das Ende empfand ich dann allerdings wieder als sehr gelungen. Vielleicht der größte Gänsehautmoment des ganzen Buches.

Maschinenmann ist auf alle Fälle empfehlenswert für Fans radikaler Science Fiction und Leser (Hörer) von Autoren wie Chuck Palahniuk (Fight Club). Man kann nur hoffen, dass aus einer einst angekündigten Verfilmung des Romans unter der Regie von Darren Aronofsky (Black Swan) irgendwann doch noch was wird.

Eine Hörprobe gibt es hier!

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