Loreley

kai meyer loreley1320: Ailis, die bei dem Schmied Erland in die Lehre geht, erlebt eines Abends auf der Burg des Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen die Jagd auf ein kleines Mädchen, das schließlich gefangen und in einen Brunnenschacht gesperrt wird. Ailis ist faszieniert vom Gesang des Mädchens und verfällt immer mehr in dessen Bann. Doch ihr Entschluss, das Mädchen aus seinem Verlies zu befreien, hat für Ailis und ihre Freunde fatale Folgen …

„Die Wenigsten machen sich die Mühe, einfach nur zuzuhören.“ Die ersten Worte von Erzählerin Gertie Honeck klingen fast wie eine Herausforderung an den Hörer, sich voll und ganz auf das Hörspiel einzulassen. Und in der Tat sollte man aufmerksam lauschen, um die vielen kleinen akustischen Details, mit denen Regisseur Marco Göllner die Produktion verziert hat, wahrnehmen zu können.

Es ist beeindruckend, wie ein ums andere Mal Geräusche und Musik gekonnt übereinander „geschichtet“ werden, um das mittelalterliche Geschehen lebendig werden zu lassen.

Die Musik, für die Marco Göllner mit dem Harfinisten Ralf Kleemann und der Band Elane zusammengearbeitet hat, darf man getrost als einen der schönsten Hörspielsoundtracks aller Zeiten bezeichnen. Egal ob die eingängigen Harfenmelodien Ralf Kleemanns oder die musikalische Untermalung der furiosen Sequenz, in der das „Echo vom Lorlinberg“ sich aufmacht, ein Ritterlager dem Erdboden gleich zu machen. Besser geht´s eigentlich kaum.

Die Besetzung bietet neben einigen bekannten Sprechern wie etwa Thomas Petruo, Eckart Dux und Johannes Steck auch viele neue, unverbrauchte Stimmen, von denen vor allem Anna Julia Kapfelsberger als Ailis, Sandra Schadt als Fee und Andreas Schmidt als Jammrich hervorstechen. Gertie Honeck, Star-Trek-Fans etwa bekannt als deutsche Stimme von Voyager-Captain Kathryn Janeway, erweist sich ebenfalls als sehr gute Wahl, auch wenn ihr ruhiger, gleichförmiger Erzählstil zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Und dann ist da noch die kleine Lili Martha König, die mich bereits durch ihren herzzerreißenden Auftritt bei Dorian Hunter überzeugt hat. Eine echte Entdeckung, die auch die „härteren“ Passagen, die ihr die Rolle des Echos abverlangt, eindrucksvoll meistert.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann sind es lediglich ein paar unnötig lange Passagen, etwa die Erzählungen Jammrichs am Stammtisch der Spielmänner oder der Umstand, dass es etwas (zu) lange dauert, bis „das Kind endlich aus dem Brunnen ist“.

Loreley ist ganz sicher einer der Höhepunkte des Hörspieljahres 2012 und neben Die Alchimistin die beste Hörspielumsetzung eines Kai-Meyer-Romans.

Eine Hörprobe gibt es hier!

Und auf dem Youtube-Channel des Zaubermond-Verlags findet ihr ein neunteiliges Making-Of, in dem Regissuer Marco Göllner allerlei interessantes über seine Arbeit an dem Hörspiel erzählt.

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