Gruselkabinett (168) – Das tote Brügge

Die Trauer um seine verstorbene Frau bestimmt das Leben des jungen Witwers Hugo Viane. Eines Tages lernt er die Tänzerin Jane kennen, die seiner Frau zum Verwechseln ähnlich sieht. Jane wird für Hugo zur Obsession, doch diese beginnt bald ein finsteres Spiel mit ihrem Liebhaber zu treiben.

Wer sich wie ich für Filme interessiert, wird in der Prämisse der Vorlage von Georges Rodenbach Ähnlichkeiten zu Alfred Hitchcocks „Vertigo“ nach einem Roman von Pierre Boileau und Thomas Narcejac erkennen.
Auch Hugo versucht, wie die von James Stewart gespielte Hauptfigur in Hitchcocks Meisterwerk, eine Frau zum Ebenbild seiner verstorbenen Liebe umzuformen.

Doch wo der Master of Suspense den vielleicht raffiniertesten Krimiplot der Filmgeschichte entspinnt, liegt bei „Das tote Brügge“ eindeutig die Trauer Hugos im Vordergrund.
Erst gegen Ende muss er erkennen, dass er Opfer eines hinterhältigen Spiels sowie der Bigotterie der Einwohner des einst stolzen, nun verfallenen Brügge ist.

Wieder einmal wird das Stück fast ausschließlich von zwei Schauspielern bestritten.
Diesmal von den hörspiel- und synchronerfahrenen Darstellern Eva Michaelis und Michael-Che Koch, die sich ausreichend Raum für große Gefühle und großes Drama nehmen, den ihnen das 86 (!) Minuten lange Hörspiel auch gewährt.

Gewiss, das alles ist kein Grusel, viel mehr eine manchmal überbordend bildhafte, von einigen Hörern sicher als arg altmodisch empfundene Tragödie über die (zerstörerische) Kraft unendlicher Trauer.

Wer sich aber während Hugos inbrünstiger Seelenqualen, die natürlich unvermeidlich auf eine Katastrophe zusteuern, nicht mindestens einmal die feuchten Augen reibt, der hat eben einfach keine Seele.

Weitere Informationen gibt es hier!

PS:
Ein weiterer Tipp für Filmfans: Wer noch tiefer in das morbid-charmante Brügge eintauchen will, dem möchte ich an dieser Stelle unbedingt Martin McDonaghs schwarze Tragikomödie „Brügge sehen… und sterben?“ („In Bruges“) aus dem Jahr 2008 ans Herz legen.
Und wo wir schon dabei sind, könnt ihr euch danach auch gleich noch Nicolas Roegs Jahrhundertfilm „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ansehen. Der spielt zwar in Vebedig, ist aber nicht weniger morbide.

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