Gruselkabinett (141) – Der Judas-Kuss

Der draufgängerische Colonel „Hippy“ Rowan erfährt während einer Schifffahrt im Jahr 1900 von einer unheimlichen Legende aus Moldawien. Auch macht er Bekanntschaft mit einem nicht minder schaurigen Passagier, der ihm nach einem Streit ewige Rache schwört.

Die Geschichte aus dem Jahr 1893 ist eine klassische Vampirgeschichte, von den Machern des Hörspiels in das Jahr 1900 verlegt.
Da in dem Hörspiel Bram Stokers „Dracula“ (erschienen 1897) erwähnt wird, hielt ich den Autor Julian Osgood Field zunächst für eine Art Trittbrettfahrer, da er den zweiten Teil der Geschichte in einem Schloss (!) in den Karpaten (!!) ansiedelt.

Aber allem Anschein nach war Field ein Pionier des Vampirgenres, und somit mal wieder ein Autor, ohne den ich ohne das „Titania Gruselkabinett“ wohl nie gestoßen wäre.

Dennoch, oder gerade deshalb, hat mich die Story rund um den Fluch der „Judasbrüder“ nicht sonderlich fesseln können. Für Freunde des Genres ist doch alles recht vorhersehbar. Und es scheint, als habe die gruselige Episode an Bord des Schiffes dem Autor wohl nicht genügt, was das Kapitel im Schloss des türkischen Millionärs eher wie ein Anhängsel wirken lässt.

Atmosphärisch und was die Schauspieler angeht, ist mal wieder alles in Butter. Nur acht Schauspieler benötigt das Stück, von denen vor allem Rolf Berg als unerschütterlicher Colonel und Jean Paul Baeck als dämonischer Schiffspassagier ins Ohr stechen. Letzterer darf stimmlich und schauspielerisch voll aus sich herausgehen, und wird nach den Aufnahmesessions sicherlich die ein oder andere Tasse Salbeitee nötig gehabt haben
Etwas ärgerlich: Claus Thull-Emden als österreichischer Abgesandter. Denn es genügt nicht, lediglich den Buchstaben „E“ am Ende des Worts „Legende“ wegzulassen, um einen österreichischen Akzent vorzutäuschen.
Bitte entweder ganz weglassen oder einen Native Speaker ins Studio holen.

So bleibt „Der Judas-Kuss“ am Ende zwar Pflichtprogramm für Vampirfans, insgesamt aber ein ziemlich dünner Gruseleintopf, dem es storymäßig etwas an Pfeffer fehlt.

Eine Hörprobe gibt es hier!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*