Gruselkabinett (118 & 119) – 20.000 Meilen unter dem Meer

Ist wirklich ein Seeungeheuer für die Schiffsuntergänge im Jahr 1867 verantwortlich? Der Meereskundler Professor Aronnax folgt den Spuren des Untiers an Bord eines Schiffes. Tatsächlich wird auch die „Abraham Lincoln“ eines Tages angegriffen. Und so gelangen der Professor, sein Diener Conseil und der Seemann Ned Land an Bord des Unterseebootes Nautilus und in die Gewalt des mysteriösen Kapitäns Nemo.

Es gibt bereits einige Hörspielumsetzungen dieses wohl berühmtesten Romans von Jules Verne.
So erschien zum Beispiel im Jahr 1977 die Fassung aus dem Hause EUROPA, adaptiert von Vielschreiber H. G. Francis, der es wie kein Zweiter verstand, Weltliteratur in 45 Minuten unterhaltsame Hörspielkost zu pressen. Eines der wohl schönsten Hörspiele, die je von Heikedine Körting produziert wurden, gekrönt von einer Jahrhundertperformance des Schauspielers Horst Frank in der Rolle des Kapitäns Nemo.
Eine neuere Adaption, die 2003 unter der Regie von Walter Adler entstand, war mir allerdings insgesamt zu technikverliebt und in Teilen leider fehlbesetzt.

Nun hat also Titania Medien das Werk in seine Reihe „Gruselkabinett“ aufgenommen. Gruselig kann man Vernes Werk zwar nicht gerade nennen, allerdings gelingt den Machern um Regisseur Marc Gruppe eine wirklich gut gemachte, knapp zwei Stunden lange Umsetzung.

In den Hauptrollen spielen Jürgen Thormann (Synchronsprecher von Michael Caine), Dietmar Wunder (Daniel Craig) und Julian Tennstedt.
Der bald 89-jährige (!) Thormann legt seinen Professor Aronnax jovial an, geradezu von einer kindlichen Neugierde beseelt. Das passt sehr gut zu der Figur und beweist einmal mehr das große Talent dieses nimmermüden Ausnahmesprechers.
Dietmar Wunder als Ned Land bringt ein passendes Maß an Bärbeißigkeit in die Rolle. Aber in entscheidenden Situationen zeigt sich auch immer wieder, dass hinter der dicken, harten Schale des Seemanns ein weiches Herz schlägt.

Und Nemo?
Als ich den Namen Uli Krohm in der Besetzungsliste las, war ich erst skeptisch. Krohm war für mich bisher immer die passende Besetzung für den lieben (oder bösen) Onkel von nebenan.
Aber bereits nach seinem ersten Auftritt am Beginn von CD 2 wurde ich schnell eines Besseren belehrt.
Uli Krohm gibt der Figur des Kapitäns die ihr gebührende Tiefe und Ambivalenz.
Dank seines überzeugenden Spiels kommen alle Facetten Nemos zum Vorschein. Der scheinbar kaltherzige Menschenfeind ebenso wie das tief traumatisierte Genie, das schlussendlich seinen Verstand verliert.

Technisch greift man zwar tief in die Trickkiste, überlädt das Hörspiel aber nicht mit übertrieben reißerischen Effekten, meiner Meinung nach ein passender und respektvoller Umgang mit der klassischen Vorlage.

Ein gelungener Einstand des Urvaters der Sciene Fiction im „Titania Gruselkabinett“.
Hörtipp! Wie üblich.

Eine Hörprobe gibt es hier!

 

3 Replies to “Gruselkabinett (118 & 119) – 20.000 Meilen unter dem Meer”

  1. Die Lobhudelei kann ich nicht nachvollziehen. Die Umsetzung ist sehr träge und langweilig. Die guten Sprecher machen das nicht wett. Schade das nicht auch ein Hauch Kritik mitschwimmt…

  2. @Sebastian:
    Die Europa-Version ist kürzer und erlaubt sich einige dichterische Freiheiten. Das Ende ist zum Beispiel komplett anders. Nicht nur beim Anblick des Covers denkt man an die Disney-Verfilmung mit James Mason und Kirk Douglas.

    @noWins:
    Other opinions are available.

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