Gespenster-Krimi (04) – Der Präparator

gespensterkrimi der präparatorEine Gruppe abgehalfterter Nicht-Mehr-Ganz-So-Jungschauspieler wird mit einem Bus zu einem abgelegenen Schloss transportiert. Dort plant ein Fernsehproduzent eine neue TV-Serie, in der die Darsteller quasi sich selbst spielen sollen. Dumm nur, dass sich in der Umgebung des Schlosses ein irrer Mörder herumtreibt, der bald auch unter den Soapdarstellern zu wüten beginnt.

Das Hörspiel hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen.
Um das Pferd einmal von hinten aufzuzäumen kann ich sagen, dass mir das letzte Drittel der Geschichte am besten gefallen hat, denn da begibt man sich auf vertraute, wenn auch ziemlich ausgetretene Slasherpfade, inklusive irrwitziger Mordszenen und einer abschließenden Hetzjagd durch den Wald, gekrönt von einem genregerechten Finale.

So weit, so gut.

Nun ist aber die Verquickung von Horror mit komischen Elementen ein ziemlich schwieriges Unterfangen, welches im Filmbereich gerade einmal Sam Raimi (Evil Dead, Drag me to Hell) und Peter Jackson (Braindead) beherrschen.

Deshalb ist es auch keine Schande, dass dieses Vorhaben dem Autor Markus Duschek im ersten Teil von Der Präparator total missglückt.
Ich vermute nämlich, es sollte komisch sein, wie da eine Gruppe desillusionierter (Möchtegern-)Schauspieler nach dem letzten Strohhalm Scripted Reality greift. Und da wäre es auch gar nicht schlimm, dass die auftretenden Figuren allesamt total unsympathisch und austauschbar rüberkommen.

Ja, wenn denn nur die Gags zünden würden.

Aber das tun sie leider durchweg nicht.
Und so schaut man als Hörer schon nach kurzer Zeit auf die Uhr, in der Hoffnung, dass endlich die Erste der strunzdoofen Tussen einen möglichst grausamen Tod sterben möge.

Gelegenheit dazu gibt es genug, denn der Kardinalfehler eines jeden potenziellen Horrorfilm-Opfers, mit dem uns Wes Craven aber bereits 1996 in Scream zum Lachen gebracht hat, wird hier fast bis zum Erbrechen überstrapaziert. So äußert gefühlt alle zwei Minuten irgendeiner der Castingteilnehmer den Wunsch: „Ich will allein sein. Ich geh nach draußen.“

Mhm. Is klar.

Es liegt auch nicht an den beteiligten Schauspielern, denn das Hörspiel ist mit erfahrenen Sprechern wie Jaron Löwenberg (Larry Brent) und Uschi Hugo (Die Pizza-Bande) hochkarätig besetzt. Zudem beweist Bodo Wolf (Synchronsprecher von Tony „Monk“ Shalhoub) in der Rolle des Fernsehproduzenten einmal mehr, dass er ein absoluter Vollprofi ist. Zumindest hat kein anderer mir bekannter Hörspielsprecher die verhängnisvollen Auswirkungen des Tritts in eine Bärenfalle akustisch schöner zum Ausdruck gebracht.

Irgendwann im Verlauf des Hörspiels fragt eines der beteiligten TV-Dummchen eben diesen Produzenten:
„Was glauben Sie, wer wir sind? Ein Haufen Teenies?“

Und da war ich kurz davor in meine Sennheiser-Momentum-Kopfhörer © zu schreien:
„Nein, seid ihr nicht!!! Warum benehmt ihr euch aber dann wie eine Horde notgeiler Pennäler?!“

Denn in der Tat treiben´s die holzschnittartigen, klischeebeladenen Damen und Herren in den alten Gemäuern der Metzgersfamilie ähnlich bunt, wie es schon Ende der 1970er Jahre jugendliche Camper am Crystal Lake oder promiske High-School-Schüler in Haddonfield getrieben haben. Und nach ihnen unzählige schlechte Jungschauspieler in unzähligen Nachklapps und Sequels.

Will sagen: Leider ist das alles schon so oft da gewesen, und leider ist das alles überhaupt nicht komisch.
Obwohl man andererseits einem Hörspiel, in dem allen Ernstes die Frage „Kennen Sie diesen Zahn?“ auftaucht, nicht wirklich böse sein kann.

Wie gesagt, vielleicht habe ich ja ein falsches Humorverständnis, aber für mich bleibt von Der Präparator auch nach dem mittlerweile dritten Durchlauf nicht wirklich viel mehr übrig, als die 20 Minuten gut gemachter und okayer Slasher-Hörspielunterhaltung am Ende.

Weitere Infos gibt es hier!

PS:

Wer sich nach einer meiner Meinung nach gelungeneren Alternative zum Thema Horror im Hörspiel umhören möchte, dem möchte ich an dieser Stelle Todesangst – Urban Explorerz aus der Reihe Mord in Serie ans Herz legen.

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