Gespenster-Krimi (01) – Mörderbäume

In den schottischen Grampian Mountains verschwinden immer wieder Menschen auf unerklärliche Art und Weise, so auch der Bruder der Journalistin Vera Lorrimer. Die junge Frau macht sich auf die Suche, stößt aber bei den Bewohnern der Gegend auf Ablehnung. Als sie sich trotz aller Warnungen auf den Weg in den Geisterwald macht, sieht sie sich bald einer tödlichen Gefahr gegenüber, denn die Bäume des Waldes erwachen zum Leben.

Groß war die Freude unter Hörspielfans, als die beiden noch jungen Hörspiellabels Contendo Media (Mord in Serie) und Audionarchie (MindNapping) verkündeten, gemeinsam die seinerzeit von Oliver Döring für Lübbe Audio produzierte, aber leider nach sechs erschienenen Folgen eingestellte Hörspielreihe Gespenster-Krimi fortsetzen zu wollen.

Die Geschichten basierten auf Romanen einer Heftromanreihe, die in den Jahren 1973 – 1985 im Lübbe-Verlag erschienen war.

Als erste Geschichte für den Reboot hat man sich für eine Adaption des Heftromans Die Mörderbäume entschieden, die Markus Topf übernommen hat, der auch als Skriptautor für die Hörspielserien Team Undercover und Mord in Serie bekannt ist.

Und wie isses nun geworden?

Um im Baumjargon zu bleiben: Durchwachsen.

Auf der technischen Seite überzeugen die Macher zum größten Teil durch die schon von ihnen gewohnte hohe Qualität. Die eigens für die Reihe komponierte Musik passt gut, die Sprecherauswahl ist prominent und hochkarätig. So hört man unter anderem Helmut Krauss, Volker Brandt, Christian Rudolf und in den Hauptrollen Christine Pappert und Uve Teschner.

Und erfreulicherweise leistet man sich mit Jürgen Holdorf auch einen guten Erzähler, der meist passend und unterstützend eingesetzt wird.

Woran hakt´s also?

Zum einen ist das Hörspiel mit 87 (in Worten: Siebenundachtzig!) Minuten viel, viel, viel zu lang. Auch wenn Markus Topfs Adaption etwas ausführlicher geraten sein sollte als die üblichen 64 Seiten eines Groschengruselhefts, vergeht etwa eine gefühlte Ewigkeit mit Veras anfänglichem, wiederholtem und doch vergeblichem Bemühen, Kontakt zu den Bewohnern der Gegend zu bekommen. Da hätte man gut und gerne schon mal einiges kürzen können.

Außerdem bekommt das Ganze mit dem Eintreten Veras in den Geisterwald und mit der Bekanntschaft zu dem Waldbewohner Edward Mackintosh (Uve Teschner) einen etwas zu starken Drall in Richtung Fantasy. Fast rechnet man damit, dass jeden Moment ein Einhorn oder eine Elfe um die Ecke kommt.

Ist das Ganze denn gruselig?

Jein.
Zwar gelingt etwa mit dem Großangriff der Mörderbäume gegen Ende des Hörspiels eine akustisch beeindruckende Szenerie, auch der abschließende „Plottwist“ ist einigermaßen spannend inszeniert, andererseits ist man doch etwas enttäuscht, wenn man an die wirkungsvollen Döringschen Schreckeffekte der früheren Folgen zurückdenkt.

Auch sollte man zum Spannungsaufbau viel mehr auf den Erzähler setzen, was in einer Szene besonders auffällt, in der Vera eine Burgruine im Wald betritt und bei der man doch tatsächlich einen Kardinalfehler aus unsäglichen TonstudioBraun-Zeiten begeht, indem man Vera selbst schildern lässt, was sie um sich herum wahrnimmt.

Das hört sich dann so an:

„Ein Skelett! Es hängt in Ketten an der Wand! Und es bewegt sich! Eine Ratte hängt im Maul des Totenschädels!“

1983 war das noch okay so, aber bitte nicht mehr 2015.

So ist Mörderbäume kein missglückter Neustart, aber sicherlich ein ausbaufähiger.
Bitte weg von Überlänge, hin zu knackigen 45 – 55 Minuten, nicht zu viel Fantasy-Schmu und eine Rückbesinnung auf die Stärken der Macher Patrick Holtheuer und Christoph Piasecki, die mit MindNapping und Mord in Serie bereits mehrfach gezeigt  haben, wie spannende Hörspielunterhaltung heutzutage klingen muss.

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