Franz Josef Strauß – „Mich können Sie nicht stoppen, ich bin da!“

Jürgen Roth, Schriftsteller aus Frankfurt am Main, hat bereits einige amüsante Audio-Porträts bekannter Politiker vorgelegt, unter anderem über Edmund Stoiber, Herbert Wehner und Helmut Schmidt.

Nun hat er sich einen akustischen Streifzug durch das Leben und Wirken des ehemaligen Ministers und bayerischen Ministerpräsidenten vorgenommen, umrahmt von vielen Originalaufnahmen und Kommentaren von Zeitzeugen und Journalisten. Außerdem schildert in kleinen Interviewpassagen der, nach unmaßgeblicher Meinung des Vefassers dieser Rezension, größte zeitgenössische deutschsprachige Kabarettist, Gerhard Polt, seine Eindrücke und Assoziationen zum Thema FJS.

Für den Hörer ist das Projekt durchweg ein Genuss, denn der Autor Roth deckt ebenso genussvoll manche kleine und große Lüge des talentierten Redners Strauß auf und schildert die legendären Rededuelle, die er sich während diverser Bundestagssitzungen als Minister oder in der Opposition mit seinen Kontrahenten von der SPD lieferte. Seien es die Sticheleien in Richtung Herbert Wehner, dem er seine kommunistische Vergangenheit immer wieder zum Vorwurf machte, oder die teils wüsten Beschimpfungen, die er Bundeskanzler Helmut Schmidt fortwährend an den Kopf warf, all das weiß Jürgen Roth stets bissig zu kommentieren. Als Sprecher konnte man den Autor Gert Heidenreich gewinnen, der in zahlreichen Hörbüchern und als Sprecher in vielen Fernsehproduktionen zu hören ist.

Und auch die zahlreichen Skandale um Strauß und seine Versuche, sich stets aus der Verantwortung zu winden, lässt das Porträt nicht aus. Etwa die SPIEGEL-Affäre, in der er als damaliger Verteidigungsminister eine entscheidende Rolle bei der Inhaftierung des Verlegers Rudolf Augstein wegen des Verdachts des Landesverrats gehabt haben soll, oder die Sache mit den drei Prostituierten, die ihn im Jahr 1971 im New Yorker Central Park ausraubten, eine davon laut Strauß eine „dürre, greißlige Henn'“.

Und dann die höchst amüsanten Fernsehauftritte, unter anderem im Jahr 1987, als er sich nach der Wiederwahl Helmut Kohls sturzbetrunken, aber schlagfertig wie immer den Fragen der Journalisten stellte.

Wer war er nun wirklich, dieser Franz Josef Strauß? Ein „Mann mit Eigenschaften“ (Rudolf Augstein), ein genialer Rhetor und Politiker, ein gefährlicher Demagoge oder doch nur „eine wunderbare Figur fürs Kasperltheater“ (Gerhard Polt)?

Ein Urteil darüber muss und darf sich jeder Hörer selbst bilden. Manch einer mag sich aber nach den zweieinhalb amüsanten und lehrreichen Stunden des Porträts insgeheim sehnen nach politischen Schwergewichten wie Strauß und Wehner, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hielten. Im Gegensatz zu vielen blutleeren Staatsdienern heutzutage, die in ihrem steten Bemühen um Political Correctness nur noch damit beschäftigt zu sein scheinen, um Himmels Willen bloß niemandem weh zu tun.

Weitere Infos und eine Hörprobe gibt es auf der Verlagsseite!

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