Epsilon – Die Heisenberg-Protokolle

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Physiker Werner Heisenberg mit mehreren berühmten Wissenschaftlern im britischen Farm Hall interniert. Während einiger Verhöre mit dem britischen Major Rittner erinnert sich Heisenberg an den Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn, an Begegnungen mit berühmten Kollegen wie Albert Einstein und Niels Bohr und an seine Rolle beim Uranprojekt der Nazis, das zum Ziel hatte, die Kernspaltung technisch nutzbar zu machen.

Da Volker Sassenbergs „Gabriel Burns“ wohl nie fortgesetzt werden wird und Marco Göllners „Goldagengarden X“ schon eine Ewigkeit auf sich warten lässt, ist die Freude um so größer, von einem anderen visionären Hörspielmacher der frühen 2000er Jahre endlich wieder neue Hörspielkunst präsentiert zu bekommen.
Günter Merlau, der uns damals mit Hörspielserien wie „Caine“ und „Drizzt – Die Saga vom Dunkelelf“ Hörspielaction in nie zuvor dagewesenser Sound- und Erzählqualität um die Ohren gehauen hat, hat für den neuen Audioanbieter FYEO den vorliegenden achtteiligen Geschichts-Thriller inszeniert.

Insgesamt zweieinhalb Stunden lang begleiten wir Werner Heisenberg auf seinem Lebensweg und erleben in Farm Hall ihn und seine berühmten Kollegen bei der Auseinandersetzung mit der Frage nach Schuld und Verantwortung für das, was im Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki endet.

Merlau hat sich bekannte und begabte Sprecher ins Studio geholt, allen voran Norman Matt, den man unter anderem als deutsche Synchronstimme von Mark Ruffalo und Michael Fassbender kennt. Er überzeugt auf ganzer Linie als Hauptdarsteller und Erzähler.
Uve Teschner spielt Major Rittner überzeugend ambivalent, denn der Verhörende scheint zunehmend fasziniert von den Fähigkeiten seines Gegenübers.
In weiteren Rollen spielen unter anderem Peter Weis, Sandrine Mittelstädt und Erik Schäffler.

Ich war immer eine absolute Null in Mathe und Physik und auch mein Interesse an Naturwissenschaften war noch nie besonders groß.

Um so erfreuter war ich daher, dass mich „Epsilon“ von Beginn an wirklich gepackt hat.
Die acht etwa 20-minütigen Episoden folgen von der Struktur her dem Aufbau moderner TV-Streamingserien. Beinahe am Ende jeder Folge steht eine Art Cliffhanger, der neugierig auf die nächste Etappe macht.
Und trotz ruhigerer Passagen dreht Merlau gekonnt an der Spannungsschraube, was zum fulminanten Höhepunkt in der siebten Folge führt, einem schicksalhaften Treffen Heisenbergs mit dem dänischen Physiker Niels Bohr.
Mir, der vollkommen unbeleckt an die Geschichte herangegangen war, blieb jedenfalls am Ende des siebten Teils der Mund offen stehen.

Auch der treibende Soundtrack von Leopold Thiel, der mich stellenweise an die Musiken aus den Filmen Christopher Nolans erinnert hat, animiert geradezu zum Durchhören auf einen Rutsch.

„Epsilon“ ist ein wirklich ambitioniertes und ungewöhnliches Hörspielprojekt.
Es bleibt zu hoffen, dass FYEO sich weiterhin derart originellen Konzepten widmen wird und dabei auch zukünftig Meistern ihres Fachs, wie Günter Merlau, Raum und Zeit gibt, um ihr Können und Potenzial zu entfalten.

Hier könnt ihr die erste Folge des Hörspiels gratis hören!

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