Dorian Hunter (25) – Die Masken des Dr. Faustus (Komplettbox)

Dorian hat den Drudenfuß gefunden, das einzig wirksame Mittel zum Kampf gegen den Dämonendrilling. Doch er weiß nicht, wo sich der Dämon versteckt. Da kommt unerwartet Olivaro zu Hilfe, verlangt als Gegenleistung aber, dass sich Dorian mit seinem dritten Leben beschäftigt. Und so führen ihn seine Erinnerungen zurück ins 16. Jahrhundert, wo er sich als Georg Rudolf Speyer einer Spielmannstruppe anschließt. Und schon damals hat er nur ein Ziel: Den Dämonendrilling zu vernichten.

Hunter ohne Göllner? Kann das funktionieren? Auch als ich die wunderschön gestaltete Box in Händen halte, schwirrt mir der Gedanke noch im Kopf herum. Und es dauert tatsächlich einige Tage, bis Mummenschanz, der Auftakt des Dreiteilers Die Masken des Dr. Faustus, zum ersten Mal im Player landet.

Was zuallererst auffällt ist, dass eigentlich gar nichts auffällt. Wir steigen direkt nach den dramatischen Ereignissen in Amsterdam wieder in die Handlung ein. Secret-Service-Chef Sullivan liegt im Koma, und seine Nachfolgerin Bethany Bail bringt das Dämonenjäger-Team ordentlich auf Trab.
Es dauert nicht lange, da finden sich Dorian und der Hörer auch schon im 15. Jahrhundert wieder und lernen die absonderlichen Mitglieder der Spielmannstruppe kennen, die sich auf den Weg zu einem Gastspiel am Hof eines Adligen machen.

Und da findet sich dann auch die erste wirklich positive Überraschung, denn Tim Knauer, erfahrener Hörspiel- und Synchronsprecher, erweist sich als echte Idealbesetzung für Georg Friedrich Speyer. Auch die Spielmänner und -frauen in der Gesellschaft des Scholars Speyer spielen wirklich überzeugend ihre (wunderlichen) Rollen. Zu hören sind zum Beispiel Konstantin Graudus und Linda Fölster.

Auch die Art und Weise, wie immer wieder abrupt zwischen Vergangenheit (Speyer) und Gegenwart (Hunter) hin und her „geswitcht“ wird, lässt mich vor dem Cutter Jonatan Frieden den Hut ziehen.

Und dann ist da noch der Gastauftritt von Dieter Hallervorden, der die Rolle des Dr. Faustus übernommen hat. Schon sein Einstieg ist skurril , denn da lässt der Doktor eine verdutzte Schar von Rauf- und Saufbolden Zeuge eines äußerst eigenwilligen Mahls werden.
Wer nun als Beilage dazu eine „Flasche Pommes“ befürchtet, der sei beruhigt, denn Hallervorden geht seine Rolle mit dem ihr gebührenden Ernst an, verfällt dabei glücklicherweise nie ins Clowneske.

Bei Dorian fällt im Verlauf der Geschichte allerdings auf, dass man ihn insgesamt etwas ernster als früher angelegt hat. Hier sollte man für die Zukunft nicht die Ironie und den Humor vergessen. Aber glücklicherweise gibts für sowas ja immer noch Marvin Cohen, den Frank Gustavus gewohnt aalglatt und staubtrocken zum Besten gibt.

Interessant wird auch die Figur der Bethany Bail, deren Rolle bis zum Ende der Geschichte ziemlich undurchsichtig und dadurch spannend bleibt. Und dank des resoluten Spiels von Karin Rasenack kommt es zu einigen amüsanten und griffigen Wortgefechten mit Dorian und seinem testosteronbesoffenen Dämonenkillertrupp.

Geräusche und Effekte sind wie stets auf höchstem Niveau, besonders schön zu hören in den Szenen im 16. Jahrhundert, egal ob im Lager der Spielleute oder während der finalen Aufführung des Theaterstücks, bei der aus Schauspiel blutiger Ernst wird.

Auch für die passende Dosis Action ist gesorgt, denn der Weg zum Versteck der Dämonendrillinge ist mit allerlei monströsen Überraschungen und noch mehr Leichen gepflastert.

Und nun noch ein paar Worte zum Soundtrack Hunteresque, der der Komplettbox auf einer vierten CD beiliegt:

Zu jedem der 19 Tracks hat der Komponist Andreas Meyer für das Booklet informative Liner Notes verfasst. Und auch wenn manche Stücke mit ihrer Mischung aus elektronischen und experimentellen („Materialien wie Stein, Holz und Metall und deren anschließenden Verfremdung“) Elementen ziemlich speziell klingen, so macht gerade dieses Spezielle für mich den Reiz an dem Soundtrack der Serie aus. Besonders freut mich, dass es mit Die Mission ein Track auf die CD geschafft hat, zu dem ich mir schon während des mehrmaligen Hörens der Folge Wolfshochzeit die Finger an der Tischkante blutig geklopft habe. Und mein damals gefasstes Urteil hat auch heute noch Bestand:
Geilere Mucke gibt es zurzeit in keiner anderen Hörspielserie zu hören.

Deshalb, liebe Freunde des guten Hörspiels:
Fürchtet euch nicht. Alles ist gut, wenn auch nicht ganz beim Alten. Es gibt einen Hunter ohne einen Göllner.

Und jetzt alle mal tief durchatmen, hier probehören und dann schleunigst diese geile Box bestellen!

Und hier geht es zu unserem Telefoninterview mit Dennis Ehrhardt!

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