Das Geisterhaus

isabel allende das geisterhausIsabel Allendes Roman Das Geisterhaus ist seit 1982 ein Hit auf den internationalen Bestsellerlisten. Das Hörspiel, das Walter Adler für den SWF daraus gemacht hat, ist allerdings die weltweit erste Hörspielfassung überhaupt. Im Mittelpunkt der Handlung, die sich vom frühen 20. Jahrhundert bis in die 70er Jahre erstreckt, steht der chilenische Patriarch Esteban Trueba. Als junger Mann erlebt er eine schwere Enttäuschung durch den tragischen Tod seiner Braut, den er durch harte Arbeit auf seinem heruntergewirtschafteten Landgut „Drei Marien“ zu kompensieren versucht. Er heiratet einige Jahre später Clara, die geheimnisvolle und mystische jüngere Schwester seiner Braut. Mit ihr bekommt er drei Kinder. Aber auch mit dem Bauernmädchen Pancha hat er einen Sohn, der allerdings in einfachsten Verhältnissen aufwachsen muss. Truebas Tochter Blanca hat ein Verhältnis mit dem Bauern Pedro Tercero Garcia, beide haben eine Tochter namens Alba. An Alba und Panchas Enkel Esteban entlädt sich der Jahrzehnte lange Konflikt zwischen den reichen Truebas und den armen Bauern in der Zeit des Pinochet-Putsches im Chile zu Beginn der 70er Jahre. Das Hörspiel umfasst pralle 8 CDs und lässt seine Zuhörer keine Minute aus seinem Bann. Besonders gefallen hat mir der Schluss, der auf sehr krasse Weise die Verhältnisse der chilenischen Diktatur darstellt. So krass, dass er selbst den eingefleischten Rechtsradikalen und Befürworter des Putsches, den jetzt fast 90jährigen Esteban Trueba, zum Umdenken bringt. In den ersten 6 CDs entwickelt sich um Trueba herum eine dramatische und komplizierte Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt die schwierige Ehe zwischen dem pragmatischen Machtmenschen Esteban und seiner warmherzigen, aber weltfremden Frau Clara steht.  Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch Estebans altjüngferliche Schwester Ferula, die offenbar ein Verhältnis mit Clara hat, was ein Macho wie Esteban natürlich nicht ertragen kann. Walter Adler schöpft in seiner Hörspielbearbeitung aus dem Vollen. Für die mehr als 70 Sprechrollen hat er eine Menge hochkarätiger Sprecherinnen und Sprecher besetzt, die allesamt sehr gut sind. Als Erzähler fungieren Ulrich Matthes und Lavinia Wilson, die die Rolle der Alba spricht. Herausragend sind Angela Winkler als Clara, Susanne Lothar als Ferula, Lena Stolze als Blanca, Werner Wölbern als Pedro Garcia und Sylvester Groth als Estebans Sohn Jaime. Einige der Figuren altern im Lauf der Geschichte, sie sind daher mit mehreren Sprechern besetzt.Manfred Zapatka spricht den jungen Esteban Trueba, Hans Michael Rehberg den alten. Gerade er überzeugt als eigensinniger, verbitterter und erzkonservativer alter Mann, umso ergreifender ist er in der Szene, in der er ihn eine alte Bekannte, die Prostituierte Transito, um Hilfe anfleht. Da wird deutlich, wie grenzenlos verzweifelt dieser alte Mann in seinem Leben wirklich ist. Das Hörspiel ist den Fans des Buches in jedem Falle zu empfehlen. Ein großer Wurf von Altmeister Walter Adler. Eine Hörprobe gibt es hier!

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