Christine

Arnie ist der geborene Verlierer. In der Schule wird er gemobbt, bei Mädchen hat er keinen Erfolg, nur sein Freund Dennis und seine Vorliebe für Autos bringen etwas Licht in seinen tristen Alltag. Alles ändert sich, als Arnie sich eines Tages einen abgewrackten Oldtimer kauft und fortan all seine Zeit und Energie in die Restaurierung des Autos steckt. Als ein paar Halbstarke aus Rache den Wagen („Christine“) demolieren, geht nicht nur in Arnie eine unheimliche Veränderung vor, auch Christine entwickelt ein mörderisches Eigenleben …

Immer wieder sind Maschinen in Stephen Kings Geschichten der Ursprung des Bösen, etwa in seinen frühen Kurzgeschichten Lastwagen und Onkel Otto´s Truck oder aktueller in seinem Roman Puls, in dem Mobiltelefone ihre Besitzer in den Wahnsinn treiben.

In seinem 1983 erschienenen Roman Christine ist die Wurzel allen Übels ein 1958er Plymouth Fury, der seinen Besitzer Arnie immer mehr in seinen Bann schlägt.

Der Roman ist für Kings Verhältnisse erstaunlich geradlinig erzählt, der Meister konzentriert sich für den Leser erfreulicherweise meist aufs Wesentliche und verzettelt sich nicht, wie in vielen späteren Werken, in Nebensächlichkeiten.

Zwar erscheint der Einsatz eines Autos als mordlüsterne Bestie am Anfang noch ziemlich gewöhnungsbedürftig, allerdings wird man durch jene Kapitel, in denen King Christines mörderische Streifzüge schildert, schnell eines besseren belehrt. Und auch Arnies langsames aber unaufhaltsames Abdriften in den Wahnsinn sorgt für einige schauerliche Momente, was nicht zuletzt dem grandiosen Vortrag von David Nathan zu verdanken ist, dem es über die komplette Laufzeit des Hörbuchs hinweg (21 Stunden) gelingt, die Spannung zu halten.

King widmet sich in dem Roman aber auch dem Familienleben der Protagonisten. So müssen etwa Arnies Eltern weitgehend hilflos mit ansehen, wie ihnen ihr Sohn mehr und mehr entgleitet. Das macht aus Christine neben einer Horrorgeschichte streckenweise ebenso einen Roman über das Erwachsenwerden, auch wenn sich die jugendlichen Figuren ab und zu so verhalten, als stammten nicht nur ihre Autos, sondern auch sie selbst aus den 1950er Jahren.

Christine ist sicher nicht Kings bestes Buch, bietet allerdings geradlinigen, schnörkellosen Horror und beweist wieder einmal sein außerordentliches Talent als großer Geschichtenerzähler.

Das Hörbuch ist ungekürzt exklusiv bei Audible erschienen!

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