Blut will reden: Eine wahre Geschichte von Mord und Maskerade

Der Autor Walter Kirn fährt Ende der 1990er Jahre einen schwer kranken Hund zu dessen neuem Besitzer. Clark Rockefeller, ein Nachkomme der schwerreichen Unternehmerfamilie, will das Tier bei sich aufnehmen. Kirn freundet sich mit dem exzentrischen Lebemann an und genießt die Vorteile, die das Leben in den Kreisen eines Millionärs mit sich bringt.
Um so größer ist der Schock, als er erkennen muss, dass sich hinter Clark ein Hochstapler und Mörder verbirgt.

Dies ist die Geschichte von Christian Gerhartsreiter. Und es ist die Geschichte Walter Kirns und seiner Beziehung zu dem Hochstapler und inzwischen verurteilten Mörder.

Kirn schildert darin erstaunlich ehrlich, wie er dem Charme und den Verlockungen des vermeintlichen Millionenerben verfallen konnte. Für den Leser mögen manche von Clarks Geschichten schon zu Beginn ziemlich überdreht erscheinen, etwa seine Investitionen in eine Raumfahrtfirma oder sein Plan, Autor von StarTrek-Romanen zu werden. Kirn allerdings braucht Jahre, um dem notorischen Lügner auf die Schliche zu kommen.

Im Rahmen der Schilderung von Clarks (Christians) Gerichtsverhandlung reflektiert der Autor immer wieder sein eigenes Verhalten. Und immer wieder schwingt die Frage mit: Wie konnte mir das bloß passieren?

Eine eindeutige Antwort darauf findet Kirn nicht, dennoch gehören seine Reflexionen zu den spannendsten und anregendsten Passagen des Buches. Denn sie werfen in mir, dem Leser (Hörer), die Frage auf: Was hätte ich getan?

Wäre ich diesem Hochstapler nicht auch auf den Leim gegangen, hätte mich genussvoll im Glanz des Freundes gesonnt und dafür über alle (eindeutigen) Hinweise und Lügen hinweggesehen?

So ist Blut will reden ein ehrlicher, bisweilen etwas verschachtelter Mix aus Selbstbetrachtung, Kriminalroman und Gerichtsreportage, der von Christian Brückner hervorragend gelesen wird.

Wieder ein vortrefflicher Beitrag zum Programm des Parlando Verlags, der sich einmal mehr als wahre Fundgrube für Freunde großer amerikanischer Gegenwartsliteratur erweist.

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